Tag des Urheberrechts – Schutz der Künstler oder der Industrie?
Verfasst von LastGunman am 26. April, 2008
Heute ist der Tag des Urheberrechts. Diverse Personen nutzten die Gelegenheit eine Anzeige in Tageszeitungen zu schalten, einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin. Das das Literaturcafé hat sich diesem Thema schon angenommen: „Künstler fordern verstärkte Kriminalisierung von Fans und Kunden„.
Also mal sehen, was in diesem Brief steht. Hört sich einfach an, aber das Schriftstück ist sowas von besch… formatiert. OK, lassen wir das.
Zitat: Vor allem im Internet werden Musik, Filme oder Hörbücher millionenfach unrechtmäßig angeboten und heruntergeladen, ohne dass die Kreativen, die hinter diesen Produkten stehen, dafür eine faire Entlohnung enthalten.
Komisch, ist der Autorenstreik in den USA nicht vorbei? Da ging es doch darum, dass die Kreativen sich zu wenig beteiligt an Internet- und DVD-Verkäufen sahen. In diesem Zusammenhang habe ich etwas Interessantes gefunden: Die Aktion „Kein Drehbuch, kein Film“.
So, so, es geht also um die Kreativen. Komisch, dass die dann immer um ihr Geld kämpfen müssen, während Manager, Produzenten und Aktionäre da keine Schwierigkeiten haben.
Zitat: Ohne Musik und Hörbücher bräuchten wir keine iPods, ohne Filme keine Flachbildfernseher, ohne Breitbandinhalte keine schnellen Internetzugänge.
Die Spieleindustrie (Aschenputtel) tut mir leid. Sie hat keine Lobby und die anderen Industrien (böse Stiefschwestern) beachten Sie nicht. Denn ich habe mir einen Flachfernseher für Videospiele gekauft. Wozu auch sonst? Das analoge Bild(!) meines Digitalreceivers(!) sieht auf dem Teil extrem schlecht aus. Man bräuchte also erst mal einen HDTV-Receiver (und die passenden Kanäle, von denen gerade zwei abgeschaltet wurden). Oder einen teuren BluRay-Player und die ebenfalls teuren BluRay-Discs. Die Kunden, die auf HD-DVD setzten, schauen nun ja in die Röhre!
Ja ja, die ach so liebe Content-Industrie, deren HD-Kopierschutz bei der Übertragung bevorzugt gegenüber den Bildsignalen behandelt wird. Die den Kunden zwei Formate vorsetzt, weil sie selbst uneins ist. Die immer wieder dieselben alten Schinken auf neuen Formaten und in immer wieder neuen Special Editions und Collectors-Boxen herausbringen.
Zitat: Denn während etablierte Künstler noch von den Erfolgen der Vergangenheit zehren können, trifft die Internetpiraterie vor allem junge Nachwuchstalente.
Ich frage mich gerade, ob ich mich dazu schon zählen darf. Allerdings hat mir bis jetzt sowieso noch niemand was bezahlt…
Am besten wende ich mich mal an den Bernd Eichinger. Ob er den Unscheinbaren verfilmen will? Der hat hier ja auch unterschrieben und steht somit für meine Rechte ein.
Vielleicht sollten sich die Leute aber auch mal das Aktionsbündnis „Fairlag“ ansehen. Dort wird von Fällen berichtet, bei denen junge Nachwuchstalente für ihre Veröffentlichung selbst zahlen, anstatt ein Honorar zu bekommen, und obendrein noch ihre Rechte verschenken.
Ähnlich sieht es bei vielen Internetportalen aus, in die man Videos und Bilder stellen kann. Dort gibt man die Rechte an den Portalbetreiber ab. Toll, oder? Neulich gab es auch eine Meldung, die ich kaum glauben konnte: DFB-Landesverband geht gegen Amateurvideos von Amateurfilmern vor. Gemeint ist die Seite „Hartplatzhelden„. Eine weitere Meldung zu diesem Thema.
Also: Wer schützt das Urheberrecht der Leute, hinter denen keine Industrie steht? Gebt es doch zu, was ihr wollt: Ein „Web 2.0″ mit „User Generated Content“, bei dem die Nutzer nur zahlen und die Industrie nur kassiert.
Zitat: Langfristig wird so die kulturelle und kreative Vielfalt in unserem Land abnehmen und wir verspielen eine unserer wichtigsten Zukunftsressourcen.
Besteht diese kreative Vielfalt hierzulande nur aus Charlotte Roche und Deutschland sucht den Superstar?
Erhalten frische Ideen wirklich eine Chance, wenn sie nicht auf Anhieb massenmarkttauglich aussehen? Wie oft kriegen junge Bands, die noch richtig spielen können, einen Plattenvertrag? Riskiert die Industrie noch etwas für Newcomer?
Anscheinend nicht, und das finde ich schade, denn die Musikindustrie hat momentan überhaupt nichts für mich zu bieten. Mal sehen, ob das Vorhaben von formyband.de klappt.
Ich würde mir jedenfalls gerne Filme und Serien kostenpflichtig herunterladen. Wenn der Preis stimmt, und ich die Files auch uneingeschränkt behalten und verwenden dürfte. Aber, o Weh! Da könnte man ja HDTV-Material anbieten, welches man auf einem PC abspielen kann, der am Flachfernseher hängt. Wohin dann mit den ganzen BluRay-Playern?
So bleibt es bei mir dann wohl doch bei den geplanten Kinobesuchen von Wall-E und Indiana Jones dieses Jahr. Andere Filme schaue ich mir im Fernsehen an. Ja, da muss ich schon eine Weile warten. Aber da ich das schon jahrelang so mache, sehe ich trotzdem immer wieder Filme, die neu für mich sind.
Gerne würde ich mir auch die Serie „The Maxx“ besorgen, die nur ein- oder zweimal auf Premiere kam. Leider gibt es keine DVD zu kaufen, schon gar nicht mit deutscher Synchronisation. „Life On Mars“ ist eine Serie, die mich ebenfalls interessiert – die deutsche DVD-Box ist gegenüber dem Original geschnitten.
Hätte es Tauschbörsen vor Jahrzehnten schon gegeben, wären einige der ersten Folgen von „Doctor Who“ immer noch erhalten.
Ja, es ist wichtig, die Kreativen zu bezahlen. Gerne würde ich auch mal vom Schreiben leben können. Aber wo bleibt also das Entgegenkommen der Industrie? Wo bleiben die neuen Ideen, neue Vertriebswege? Wo die Bereitschaft, auf Renditen zu verzichten, um die Kreativen besser zu bezahlen? Die ganzen Kampagnen haben bisher jedenfalls nur geschadet und obendrein eine Stange Geld verschlungen.
Passend dazu noch einige interessante Links:
Wie Deutschlands Jugend dummgeredet wird (Oder: Wie der Kulturstaatsminister um Erotikblättchen kämpft)
Kinderbuchumsatz steigt um 24 Prozent
Umsatzplus bei Hörbüchern
Urheberrecht im Alltag


” Soziales Schmiermittel social web » ring2* sagte
[...] die wikipedia-Diskussion über den Status des ehemaligen Planeten Pluto heran. Auch die Diskussion in deutschen Blogs über Urheberrechte und die Frage, wem denn der Fußball gehört, sind Ausdruck dieser neuen [...]