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Die erste deutsche Bundesliga der Gerechtigkeit

Verfasst von LastGunman am 1. März, 2008

Aus der Rubrik „Wir waren jung, brauchten Geld, schrieben aber trotzdem“ darf ich heute voller Stolz diese Perle deutscher Superheldenliteratur präsentieren: Die erste deutsche Bundesliga der Gerechtigkeit!

Diese Geschichte entstand als Fortsetzungsstory auf www.kurzgeschichten-planet.de.
Leider gibt es dort das entsprechende Unterforum samt den Geschichten nicht mehr. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, den tapferen Helden der Liga hier ein neues Zuhause zu geben.

Ein Hinweis zum Urheberrecht: Da an dieser Geschichte mehrere Autoren mitwirkten, habe ich die einzelnen Abschnitte farblich gekennzeichnet. Einen herzlichen Dank an megarat und Wolf für ihr Einverständnis zur Veröffentlichung.

Rot: Thomas Wolf alias Wolf
Grün: Marius Kowalczyk alias megarat
Blau: Michael Hambsch alias LastGunman

***

Es ist 1968, der kalte Krieg bedroht auch unser Vaterland. Doch haben die deutschen Bürger keine Angst vor Spionen und Schurken! Denn über sie wacht die erste deutsche Bundesliga der Gerechtigkeit!

General Deutschland!
Der Unscheinbare!
Wühltisch Woman!
Der gelbe Klotz!
Silbersternchen!
Wespenmann!


Sechs Helden die für drei Dinge stehen: Einigkeit und Recht und Freibier!
Und da klingelt auch schon das grüne Telefon der Gerechtigkeit (Standardausführung der deutschen Post).
„Hier General Deutschland, wo liegt das Problem?“


„Juuuuuten Tach, Hörr Jeneraal. Hier is Stopke, BKA Kölle. Jeht et juut ?“
„Natürlich ! Superhelden geht es nie schlecht – wir sind immer bereit, dieses Land und all seine wehrlosen Bürger und Besatzungstruppen zu schützen! Wir sind sofort zur Stelle, wenn das grüne Telefon klingelt – was ist passiert?“
Der Mann am anderen Ende der Leitung gab einen langen Seufzer von sich.
„Et is schröcklisch. Et is gräuenhaft. Et is… DIE VERNISCHTUNG DER EXEKUTIVE!“ Er seufzte erneut, bevor er das Unfassbare aussprach:
„Jetzt simmer den roten Horden schutzlos ausjeliefert… KAFFEE IS ALLE!“
General Deutschland rang um Fassung.
„Oh…mein…Gott.“

„So ein teuflischer Plan kann nur vom roten Rasputin stammen! Ich befürchtete schon, dass er früher oder später aus der Dimension Z fliehen wird. Keine Sorge, Stopke, wir kümmern uns darum.“
„Bundesliga, Anpfiff!“
Der Kampfschrei des Generals ruft die anderen Mitglieder der Liga zusammen.
„Da fehlt doch wieder einer. Wo ist Ernst, der Unscheinbare?“
„Ich stehe neben ihnen, Herr General!“
„Warum sagen sie das nicht?“
„Hab ich doch.“
„Lassen sie das jetzt, unserem Land droht schreckliches Unheil!“
„Was ist geschehen? Ist der Sockenmeister ausgebrochen?“, fragte Wühltisch Woman.
„Viel schlimmer“, sagte der General, „Der rote Rasputin hat die Kaffeevorräte unseres Landes gestohlen!“
„Um Gottes Willen!“, rief die Truppe.
„Ja. Wir brauchen eine Absicherung. Ernst, wo steckst Du?“
„Hier bin ich doch!“
„Jetzt hör endlich auf damit. Du musst eines unserer Reservemitglieder holen: James Müller. Er ist durch seine physikalischen Besonderheiten immun gegen Kaffeeentzug.“
„Wieso das?“, fragte der Wespenmann.
„Sein Vater ist Engländer. Hast Du gehört Ernst, Du musst sofort los! Ernst?“
„Schonnnn wegggg“, brummte der gelbe Klotz.
„Also gut, hört meinen Plan.“

Zehn Minuten später standen die Bundesligianer da und schüttelten die Köpfe. Einige griffen sich mit der Hand ans Kinn und andere kratzten sich an diversen Körperstellen, schwitzten und taten, als ob sie nachdachten. Jeder versuchte zu verstehen, dem Plan irgendwelche verborgene Logik abzugewinnen. Schließlich brach Silbersternchen die Stille.
„Nun, wir sind also zwölf. Meinst du, das wird genügen?“
„Sechs“, unterbrach sie der Wespenmann und bedachte sie mit einem strengen Blick.
Silbersternchen senkte den Kopf und ging aus den Augenwinkeln der Reihe nach alle Mitglieder der Gruppe ab, während sie an Fingern abzählte. Zwei General Deutschlands, zwei Unscheinbare, zwei Wühltisch Women … und so weiter, macht nach Adam Riese Zwölf. Sie wollte schon laut protestieren, dann erinnerte sie sich, dass sie der Gelbe Klotz manchmal Silberblick-Woman nannte und schwieg lieber.
„Sechs Leute werden nicht genügen, um die Gesamten Cola-Vorräte Deutschlands aufzukaufen, General, Sir!“, rief der Wespenmann.
„Jaaaa, dasss meinnne ichh auchhh“, versicherte der Gelbe Klotz und sprach dann im normalen Tonfall weiter, „Seit sie Dosen abgeschafft haben, ist es schwer, Cola über weite Strecken zu orten. Früher haben wir das immer mit Metalldetektoren gemacht.“
„Ja, Herrgott noch mal, das kann doch nicht so schwierig sein“, rief General Deutschland, „besorgt euch eine Liste aller Supermärkte und dann habt ihrs.“
„Und was ist mit den Tankstellen?“, fragte der Gelbe Klotz.
„Davon gibt’s bestimmt auch Listen“
„Und Flughäfen?“
„Genauso“
„Freudenhäuser?“
Deutschland wurde purpurrot. Wie sollte er mit diesen Versagern auch nur einen Fall lösen?
„Als ich sagte: ALLE Vorräte Deutschlands, hab ich gemeint: FAST ALLE. Es ist nicht nötig, Cola aus Freudenhäusern… ach, macht, was ihr wollt. Ich gehe jetzt erst mal eine Runde Sat1 gucken. Ist ja Samstag, gleich kommt RAN…“
General Deutschland ließ sie verdutzt zurück, die Truppe, die alle Welt Bundesliga nannte, weil sie erstklassig waren, und ging seinerseits selber Bundesliga gucken. Niemand hatte auch nur den Hauch eines Schimmers, was er mit all der Cola wollte.

„Das kann ja wohl nicht wahr sein“, rief Wühltisch-Woman, „Der spinnt wohl.“
Die Powerfrau warf einen energischen Blick in die Runde, worauf Wespenmann, Silbersternchen und der gelbe Klotz nur nicken konnten. Zu viert stürmten sie in den Aufenthaltsraum der geheimen Liga-Zentrale, wo General Deutschland die Füße auf dem Tisch liegen hatte.
„Theo! Es ist schon schlimm genug, dass Du nicht die Finger von diesem Fernseher, der in die Zukunft sehen kann, lassen kannst. Noch dazu, dass Du ihn von dieser Galaxia geschenkt bekommen hast, von der wir nicht das Geringste wissen. Aber dann schaust Du auch noch Fußball damit, als wäre die Saison ‘67/’68 nicht spannend genug und als hätten wir sowieso nichts Besseres zu tun.“
General Deutschland sah Wühltisch Woman an.
„Wir müssen das Land retten, verdammt noch mal!“, fauchte sie.
Die anderen nickten dem General zu.
„Sehr gut!“, sagte dieser, „Genau so will ich meine Truppe haben!“
„Herr General“, Silbersternchen war verwundert, „wollten sie etwa nur unsere Moral auf die Probe stellen?“
„Richtig.“
„Ich weiß nicht, wie sie das immer machen, aber es wirkt!“, sagte Wespenmann.
Der General nickte.
„Ich habe mit dem vielfältigen Fernseher das Hauptquartier des roten Rasputin ausfindig gemacht.“
„Und was ist dieses kleine Bild im Bild da? Nürnberg gegen Werder?“
„Ähhmm, das muss wohl eine Fehlfunktion sein. Aber zurück zum Plan: Besorgt Euch soviel Cola wie nur möglich, denn Superhelden brauchen auch superviel Koffein! Danach machen wir uns auf zur roten Festung. Wespenmann, Silbersternchen, ihr greift aus der Luft an. Klotz, Wühltisch Woman: Ihr nehmt den Hintereingang ein. Hoffen wir, dass der Unscheinbare bald mit dem Teetrinker zurück ist.“
„Und du, Theo?“, fragte Wühltisch Woman.
„Ich greife mir den Rasputin persönlich. Wünsch mir Glück, Erika.“
„Gelllber Klottttzzz willl Kamfffruuuff nochmaalll hörrrrn!“
„Also gut. Bundesliga: Anpfiff!“

Während der Unscheinbare auf einer Parkbank saß und auf seinen Kontakt wartete, versuchte er sich ab und zu selbst im riesigen Schaufensterspiegel in der Menge zu erhaschen, doch er fand immer nur die anderen. Manchmal, als die Menge auseinanderging, hätte er schwören können, dass nur er allein übriggeblieben war und der Spiegel trotzdem nur leeren Pflasterstein zeigte. Dann schaute er jedes Mal ganz schnell weg und ignorierte das Gesehene. Er nahm sich für heute Abend vor, das Phänomen ein für alle Mal im Badezimmer zu untersuchen.
Eine scharfe sonnenbebrillte Braut tauchte plötzlich wie aus dem Nichts auf. Ernst musste zweimal hinschauen, bevor er sie erkannte.
„Bitte, ein Autogramm! Oh! Sie ist es!“, flehte er und machte sich so klein, dass er fast auf den Knien vor ihr rumrutschte.
„Nicht doch“, antwortete Pamela Anderson mit einer unerwartet tiefen Stimme und schob sich einen Kaugummi in den Mund. „Willst du auch einen?“
Er nahm ihn wie in Trance entgegen und begann zu kauen. Zuerst schmeckte es nach Brombeere, doch dann nahmen seine Geschmacksknospen etwas anderes wahr.
„Vanilletee! Dann bist du… aber wie hast du das Gemacht?“
„Pscht!“, rügte ihn Pamela, „nenn mich Pamela jetzt, klar?“
„Aber…“
„Nix aber. Teetrinker leben in einer Zeit des Kaffeeentzugs gefährlich… Ich musste mich tarnen. Niemand darf erfahren, wer ich wirklich bin. Den ganzen Tee muss ich mir jetzt in Kaugummiform zuführen, um nicht aufzufallen. Gehen wir?“

Während sie losgingen, begann der Teetrinker respektive Pamela zu erzählen.
„Das Empire hat schon lange den Verdacht, dass da etwas vor sich geht. Um nicht ganz wehrlos dazustehen, hat die Queen sowohl den Buckingham Palace als auch Big Ben bis unters Dach mit extrem teeinhaltigem Tee aus unseren Kolonien vollstopfen lassen.“
„Kolonien? Die habt Ihr doch gar nicht mehr!“ bemerkte der Unscheinbare.
„Grmpfzgrrrr… jaja. Falkland-Tee schmeckt auch echt mies – aber was sollen wir machen?“

Inzwischen in der Zentrale der Gerechtigkeit.
„So, jeder erst mal nur eine Flasche.“
„Ich binnn drannn, Gennneralll.“
„Du nicht, gelber Klotz. Du bist als kleines Klötzchen doch in einen Behälter mit Cola gefallen. Dein Vater, der erste gelbe Klotz, hatte damals keinen Babysitter und musste Dich zu allen Einsätzen mitnehmen, auch zu dem Kampf gegen König Schmalz in der Colafabrik.“
„Och Mennnnno.“
„Dafür darfst Du nachher ein paar Wände einreißen, in Ordnung?“
„Au jaaaa, Gelllberrr Klotz lieeebt Wännnnde einnnreisssen.“
Und nun, auf zum Einsatzjet der Gerechtigkeit!

Welcher sich als eine klapprige Concorde entpuppte, die der Wespenmann über Nacht aus dem Technischen Museum in Sinsheim entwendet hatte.
„Das soll der Einsatzjet sein? Aber…“
„Das Ding wird doch niemals fliegen, ich tu da keinen Schritt rein“
„Ich auch nicht“
„Wieso kriegen wir nie das neueste Material?“
Jetzt wurde der General rot. Er ging in die Mitte der Gruppe und klatschte mehrfach beherzt in die Hände. Er hasste den Klang, doch es war besser als mit den Fingernägeln an der Tafel zu kratzen.
„Hallo! Aufwachen! Alle ein bisschen verwirrt? Wir sind in den Sechzigern… Lässt man euch einmal die Zeitmaschine, dann macht ihr nur noch Blödsinn… Ich sagte doch, nur der Wespenmann soll nach 2004, das Ding holen und wieder zurück. Wie es aussieht wart ihr alle dort. Stimmt’s?“
Alle schauten betreten zu Boden, doch niemand sagte was.

„Aber Batman hat immer so tolle Flugzeuge, Motorräder und Autos.“, sagte Silbersternchen ohne Aufzusehen und brach das Schweigen damit. Das große U-Boot, welches sie in dem Dokumentarfilm über ein Heldenteam des 19. Jahrhunderts gesehen hat, wollte sie gar nicht mehr erwähnen.
„Theo, den Jet wolltest Du doch nur haben, weil ich und die meisten anderen fliegen können und Du nicht!“, sagte Wühltisch Woman.
„Grummel. Ich möchte einfach nicht, dass mich meine Ex-Frau ständig zu den Einsätzen trägt. Außerdem kann der gelbe Klotz auch nicht fliegen.“
„Habbbbsss noooch nieee probiieerttt.“
„Der ist auch viel zu schwer für das Flugzeug.“
„Und was ist mit dem Unscheinbaren?“, fragte Silbersternchen.
„Der ist doch fort, das Reservemitglied holen!“
Silbersternchen pflegte den Unscheinbaren immer mitzuzählen, ob er da ist, oder nicht. Es ist ihr früher oft passiert, dass sie ihn einfach übersah, was ihr dann hinterher sehr peinlich war.
„In Ordnung“, sagte General Deutschland, „Machen wir’s wie alle in den Sechzigern und beamen uns einfach zur Festung des roten Rasputin!“

Etwas später…
„Verdammt, Rumänien führt 4:0 gegen Deutschland!“
„Kommst Du jetzt endlich, Theo?“, sagte Wühltisch Woman.
„Einen Moment noch…“
„Ich sagte doch, Du sollst diesen verdammten Fernseher auslassen! 2004 liegt in der Zukunft, das rennt Dir nicht davon. der gelbe Klotz und Wespenmann haben sind schon weg, wir können die Energie nicht mehr lange aufrecht erhalten.“
„Na gut, verdammt noch mal“
Die beiden gingen zum Transporter-Raum, wo Silbersternchen schon wartete.
„Kein Wunder, dass es in 2004 keine Superhelden mehr gibt! Wenn das alles so Luschen wie diese Nationalmannschaft sind. Da würde Uwe Seeler alleine gegen diese Elf triumphieren! Warum kämpfen wir eigentlich noch, wenn es bald keine Helden mehr gibt?“
„Hör auf damit und spar Dir Deine Wut für den roten Rasputin.“
‘Keine Helden mehr in der Zukunft?’, dachte Silbersternchen, ‘Aber Bastian hätte das Zeug dazu. Die Art, wie er redete, als wir aus dem Kino kamen. Er bräuchte nur jemanden, der ihm den Weg weist.’
„Na los, Claudia.“, sagte Wühltisch Woman.
„Oh, ich war gerade anderswo.“
Die drei stiegen in den Transporter und beamten sich zur Festung des Schurken. Leider landete General Deutschland genau da, wo sich der gelbe Klotz gerade hinsetzen wollte…

Den Ehrentreffer Deutschlands sah Deutschland als letztes, danach kam nur noch ein Licht durch einen hellen Tunnel auf ihn zu, dann war er hinüber.
Seine sterbliche Hülle lag mit einer gewissen Satisfaktion da und sein Gesicht drückte eine letzte Prise Stolz aus: Wenigstens ein Ehrentreffer.
Der Fernseher flimmerte aber das Zukunftsbild weiter gnadenlos in den Raum und der tote General bekam Gott sei Dank nicht mehr mit, wie das 5:1 fiel. Bekam nicht mehr mit, wie Rudi Völler die Misere schönzureden versuchte und dieser zukünftige Torwartstar Namens Kahn, der so gar nichts von alter Torwartschule an sich zu haben schien, grimmig und affengleich in die Kamera stierte.
Aber Gelber Klotz sah es und Tränen flossen aus seinen Augen. Wahrlich hatte er keine Ahnung, dass schlimmeres passiert war, als nur eine Blamage des deutschen Fußballs vor der Welt. Sehr viel Schlimmeres. Deutschland war nämlich tot, auch wenn es nicht das ganze Teutonenvolk, sondern nur sein General war, den er mit seinen ausladenden Backen dahin gemeuchelt hatte. Es war vorbei. In Klotz’ Kahnartigem Hirn ging nicht viel vor, dennoch schwebte eine Frage wie der Geist von Deutschland im Raum: Wird die Bundesliga ohne Deutschland weitermachen können?

„Hör auf zu jammern, Theo! Jedes Mal kommst Du mit dieser Sterbenummer. Der gelbe Klotz hat sich doch entschuldigt und Dein superstarker Körper wird nur ein paar blaue Flecke davontragen.“
„Aber es tut so weh!“
„Jammerlappen.“
„Tschuuuuldiguuung nochmaaal, Cheeeef.“
„Reiß Dich endlich am Riemen!“, sagte Wühltisch Woman zu Ihrem Ex-Mann.
„Na gut, beginnen wir also. Wir gehen nach Plan vor!“
„Und was soll das für ein Plan sein, der etwas ausrichten kann gegen den

roten Rasputin?!?“

Da tauchte der Superschurke vor der Liga auf! Und hinter ihm waren weitere Gestalten zu sehen.
„Oh Nein“, sagte Wespenmann, „Er hat die Liga der Unholde und Wegelagerer 1890 e.V. bei sich!“

Sie kamen herein. Die ganze Grässlichkeit von ihnen stach den Superhelden ins Auge. Just in diesem Moment erschien auch der Unscheinbare mit einer Blondine im Arm und sie trat mit ihr ins Zimmer. Die Blonde bemerkte den Blick vom Roten Rasputin, erschrak und musste schlucken, als sie merkte, wohin er blickte.
„General, sie leben ja“, rief der Unscheinbare Richtung Deutschland, „Ich bekam einen Anruf von Silber…“
„Nein, ihm fehlt nichts, er ist ein Meister im Verstellen“, sagte Wühltisch Woman missbilligend.
„5:1″, sagte der General mit tiefgezogenen Mundwinkeln, „Hätte Gelber Klotz bloß stärker zugedrückt…“
Der Rote Rasputin kämmte augenblicklich seine weißen Geheimratsecken zu Recht. Die ganze Bundesliga war überrascht, ja ein wenig enttäuscht von seiner Haarfarbe und vor allem von seinem Alter.
„Das soll Roter Rasputin sein?“, meinte Wühltisch Woman und tippte schnell etwas in ihr Notebook ein, „Der ist aber nirgends registriert. Sieht aus, als ob er gar nicht existieren würde.“
„Also, entweder ist er ein Außerirdischer, hat sein Lebtag im Dschungel verbracht … Oder er kommt aus der…“
Alle starrten auf den Mittsechziger mit der eckigen Brille, an dessen Aufzug nur das rote Trikot seinen Namen rechtfertigte. Sie schauten, wie er zu grinsen anfing und den Satz vollendete:
„Zukunft“
„Verdammt“, sagte der Wespenmann und schlug sich mit der Hand an die Stirn, „Wie sollen wir nun wissen, welche Stärken und Schwächen er hat. So können wir doch unmöglich mit ihm kämpfen. Ohne jegliche Unterlagen.“
„Moment“, intervenierte Wühltisch Woman, „Langsam. Ich lasse gerade das Morphing-Programm laufen. Wir wissen gleich, wie er mit zwanzig aussah. Vielleicht ist er schon in den Sechzigern unangenehm aufgefallen.“
„Verdammt“, wiederholte sich der Wespenmann.
„Verdammt“, sagten alle anderen kollektiv, als das Bild fertig gerendert war.
„Dieser Libero ist es! Dieser Ballstreichler! Mist, wir haben keine Chance!“
Während alle wild durcheinander nach Stutzen, Schienbeinschützern und Kickschuhen suchten, trat der gealterte Rote Rasputin vor seine Männer, die zum Anpfiff bereit standen und sagte:
„Schau’mer’mal“
Dann strich er das Bayern-Logo auf seinem Trikot glatt.

„Verdammt, das schaffen wir nicht alleine!“, zischte Wühltisch Woman, als sie vorbei am nach Erdinger stinkenden Rasputin linste und seine Bande sah:
dort standen M „da incredible hicks“ V, die schauerlichen Gottschalk-Twins und Water-Witch Franzi.
„Du hast recht“, knurrte der General und drehte sich verschwörerisch zur Liga um.
„Also – wen holen wir uns als Verstärkung?“

„Wir könnten einfach ein Notruf-Signal an alle Reservemitglieder schicken, und darauf hoffen, dass sie bald da sind“, sagte Wespenmann, „Aber ich schätze, die Zeit läuft uns davon.“
„Mach mal. Jetzt hängt alles davon ab, wie kompliziert der Plan der Schurken aussieht.“, flüsterte General Deutschland.
„Ja gut, General, bevor ich Euch also ähmmm, der Dings, der Ungnade meiner ähh Mitschurken überlasse, seit ihr doch sicher an meinem ähmm, unserem Plan interessiert, oder?“
„Eine gute Idee, Kais… umm roter Rasputin!“
„Ja gut, also des mit dem Kaffee hamm wer so gedacht, weil’s der Olli Kahn in der Zukunft immer zu viel davon seift und dann viel zu zwatzlig wird.“
„Also ist der Kaffee schuld und nicht die Spieler??“
„Ja gut, der Olli, der Kahn, der is ja eigentlich a Leithammel, eine Lichtgestalt, wenn der auf den Platz kommt da rufen’s alle der Olli is da, der hält alle Bälle, da könn wir’s uns aber schön gemütlich machen. Und wenn der zu viel Kaffee g’soffen hat dann will der auch Bälle halten, da kann der gar nicht mehr stille stehn, und wenn dann doch mal einer kommt, isser meistens ganz wo anders.“
Plötzlich setzte sich ein Gerät in der Festung in Gange. Jemand materialisierte sich.
„Erika, wer ist das?“
„Diese Frage kann ich Euch selbst beantworten. Ich bin der wahre rote Rasputin! Ich hatte damals einen Notsender von Euch erbeutet, als ich in die Dimension Z gebannt wurde. Mir gefiel es eigentlich dort ganz gut, hab sogar ein paar Planeten erobert. Aber als ich hörte, dass sich jemand für mich ausgibt, da musste ich einfach kommen.“
„Da stehst Du also auf unserer Seite?“
„Für diesen Kampf. Danach sehen wir weiter.“
„Also was jetzt?“, sagte der falsche Rasputin, „Anpfiff, oder?“

„Moment a mol“, sagte der momentan falsche Rasputin, „Ich bin der wahre Rasputin! Brauchts nur den Ulli oder sonstwen fragen“
„Ha, dass ich nicht lache“, prustete der vermeintlich richtige los.
„Ja, hammer denn scho Weihnachten?“
„Ach halts Maul!“
„Zefix nommol! I bin die Lichtgestalt, net du!“
Ein Handgemenge brach unter den zweien aus. „Falscher“ Rasputin benutzte zeitweise sein Handy als Waffe und verpasste dem „Richtigen“ ein blaues Auge.
„Aua“, schrie der „Richtige“ und schaute nach einem rechten Haken seinerseits auf seine blutende Hand, „Schiri! Der hat seine Brille aufgelassen, Raus mit dem!“
Schiri warf einen Blick zum EmVau, las aus dessen Augen und beschloss, nicht in die Pfeife zu blasen.
Der Zweikampf schien nun in seine entscheidende Phase zu gehen, denn nun materialisierten sich die Farian-Chearleaders im Beamstrahl. Ein schwarzer Bursche, der überhaupt nicht singen konnte und drei korpulente schwarze Mädels in Glitzerkostümen, die sehr wohl singen konnten traten vor.
„Ra-Ra-Rasputin, Russias greatest Love-Machine!“, sangen sie, während sie mit den Pon-Pons wedelten.
Daraufhin ließen die beiden Streithähne voneinander ab.
„Jo, do hammers! Ha! Love-Machine! Damit ka blos i gmoant sein! Ha!“
Der andere ließ entmutigt die Schultern hängen, und schlurfte davon. Ihm war klar, dass er Fra.. äh dem anderen Rasputin liebesmäßig nicht das Wasser reichen konnte. Er hat es nicht mal geschafft EIN uneheliches Kind zu produzieren. Der andere war ihm über.
„Jawoll, wieder erster. Wie immer! Zig mal deutscher Meister, die WM nach Deutschland gholt und nu als Rasputin akzeptiert!“
Dann rollte er sich die Stutzen hoch und wand sich den Bundesligianern zu, die schwer atmend auf diesen Augenblick gewartet hatten…

Denn inzwischen hatte sich der gelbe Klotz den Ball geschnappt und setzte zum Elfmeter an.
„Auuusss demmmm Weeeeeg!“, rief er und trat mit aller Wucht gegen den Ball. Die Warnung hatte der gelbe Klotz nur aus rechtlichen Gründen ausgesprochen, denn der Rasputin-Kaiser hatte keine Chance. Der Ball traf ihn und warf ihn zwanzig Meter gegen einen Kasten, der sofort zerbrach und mit Rauch und Funken auf diese Behandlung reagierte.
Rasputin regte sich nicht.
„Jetzt reicht’s!“, sagten die Gottschalks gleichzeitig, „Die Zeitmaschine kaputt, der Franz bewusstlos. Angriff!“
„General!“, sagte Wühltisch Woman, „Die einzige Zeitmaschine in dieser Zeit steht jetzt bei uns, sie können also nicht mehr fliehen. Ziehen wir ihnen die Ohren lang!“
Die Bundesliga wartete nicht lange. Wespenmann und Silbersternchen griffen sich die Gottschalk-Brüder und trugen sie aus der Festung.
„Lasst uns los, oder gebt uns wenigstens ein paar Gummibärchen! Wir sind den Service der Business-Class gewohnt!“
Lange konnten sich die beiden Helden das nicht anhören. Sie hielten Ausschau nach dem nächsten Postauto und sperrten die Gottschalks zu den Paketen.
Drinnen tobte ein gewaltiger Kampf zwischen den Schwergewichten MV und Klotz, der das ganze Gebäude erschütterte.
Während Wühltisch Woman und General Deutschland versuchten die flinke Water-Witch einzufangen – und sich dabei heftigst stritten, sah sich der Unscheinbare mit dem als Pam getarnten Teetrinker eines der vielen Schlafzimmer an.
General Deutschland regte sich nun so über Wühltisch Woman auf, dass er sein magisches Cape nach ihr warf. Schwarz, Rot und Gold wehte es durch den Saal. Wühltisch Woman konterte mit einigen Kleidungsstücken aus ihrer mystischen Wühltischtasche. In dem Moment rannte Franzi durch die Mitte und verfing sich in der Masse an Textilien. Deutschland entwirrte sie aus dem Cape, ließ sie aber in den Klamotten gefesselt.
„Tschüss, Wasserschneckchen!“, rief Wühltisch Woman als sie die Franzi durch das Tor in die Dimension Z warf. Ein gezielter Schlag des gelben Klotzes schickte den MV noch hinterher.
Doch der Rasputin war inzwischen wieder zu sich gekommen.
„Was habt’s mit meiner Mannsch…, moment, was habt’s ihr mit meinem Trikot gemacht?!“
Der gelbe Klotz war nach dem Kampf mit MV nicht mehr bei Kräften.
Wespenmann meldete sich: „Ich habe unseren AB abgehört, und muss mit Silbersternchen dringen zur Zentrale. Wir haben gesehen, dass ihr ganz gut klar kommt und machen uns auf den Weg. Bis später“
„Greifen wir ihn uns, Theo?“
„Wie in alten Zeiten!“
Franz schnappte sich zwei Eckpfosten, die in einer Ecke standen (Wo sonst?). Er war anscheinend auch Meister des Kung Fu. Theo und Erika hatten große Probleme, die Schläge abzublocken.
„Ha, jetzt seht’s ihr aber alt aus.“
Zum Glück waren der Unscheinbare und Pam schon fertig mit der Besichtigung. Kaiser-Rasputin wurde immer wieder von einer Handkante erwischt, deren Ausgangspunkt er nicht ausmachen konnte.
„Ja geh, wer haut’s mich denn da?“
„Mann nennt ihn nicht umsonst den Unscheinbaren!“, sagte Pam, „Aber er kann auch ganz anders, nicht wahr?“
Pam zwinkerte dem Unscheinbaren zu und versetzte dem Kaiser unerwartet einen Tritt, der ihn in das Dimensionstor schleuderte.
General Deutschland schaltete das Ding ab.
„Puuh, das hätten wir.“
„Trinkt immer schön Tee, liebe Leser!“, sagte Pam und zeigte auf einige Beutel in ihrer anderen Hand.


Epilog:
Als die Helden wieder in ihrer Zentrale waren, fanden sie einen erschüttert wirkenden Wespenmann vor.
„Was ist los? War der Anruf wichtig?“
„Keine Ahnung, wir müssen noch zur Post. Ein Paket ist angekommen, aber wir müssen es von jetzt gerechnet spätestens in 5 Stunden abholen.“
„Wo ist Silbersternchen?“
„Ab durch die Zeitmaschine. Sie hat sie so programmiert, dass sie sich nach Benutzen selbst zerstört. Sie sagte, sie wolle beweisen, dass es in 2004 noch Helden geben kann.“
„Wenn das so ist…“, sagte General Deutschland und richtete sich an Pam, „Wir könnten Deine Hilfe als aktives Mitglied gut gebrauchen.“

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