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Heimlichkeiten

Verfasst von LastGunman am 21. Dezember, 2007


„Verdammt, schon wieder keinen Schnee zu Ostern!“
Opa Werner schob die Vorhänge des Treppenhausfensters wieder zu, als er etwas aus dem Wohnzimmer hörte.

„Das Kaminfeuer brennt noch. Sieht meiner Tochter ähnlich“, brummte Werner, nachdem er das Zimmer inspiziert hatte.
Gerade wollte er wieder ins Bett gehen, als er hinter der Couch ein Paar Füße herausragen sah. Tatsächlich lag dort ein Beamter – Opa Werner machte man nichts vor.

„Was machen Sie hier?“
Der Beamte stand auf.
„Amtsangelegenheiten, treten Sie bitte wieder ihre Nachtruhe an.“
„Das ist immer noch mein Haus!“
„Und das ist eine staatlich genehmigte Amtshandlung. Ich bitte Sie noch einmal höflich zu Bett zu gehen, ansonsten muss ich einen Eintrag in der ogMmsAzAsgA – Abschnitt Kooperation vornehmen!“
„Ogmwas?“
„Optisch gesicherte Magnetmehrfachscheiben-Aufzeichnung zwecks Abwendung staatsgefährdender Aktivitäten.“
„Geht das auch auf Deutsch?“
Der Beamte schüttelte seufzend den Kopf, „Vom ungebildeten Volk auch Anti-Terror-Datei genannt.“

„Sie gehen also auf Terroristenjagd?“
„Ja.“
„Und warum um 1 Uhr nachts in meinem Haus? Hält sich hier etwa ein Terrorist versteckt?“
„So kann man das nicht sagen.“
„Was kann man sagen?“
„Dass es sich um präventive Maßnahmen handelt. Heimliche Hausdurchsuchungen finden alle vier Wochen in Haushalten statt, die sich nicht für die Online-Durchsuchung qualifiziert haben.“
„Wir haben doch gar keinen Computer.“
„Genau deswegen“, der Beamte lächelte etwas gequält.
„Und wie wollen sie das durchsetzen? Sie haben meine Einverständnis nicht.“

Jetzt musste der Staatsdiener laut lachen.
„Das ist doch nicht notwendig“, voller Stolz hielt der Beamte Opa Werner ein Formular vor die Nase – ausgefüllt, unterschrieben und abgestempelt, „Amtlich genehmigt. Da fällt Ihnen nichts mehr ein, wie?“
„Doch. Verlassen sie sofort mein Haus.“
„Aha“, der Staatsdiener musterte Opa Werner genau, „sie unterstützen also Terroristen?“
„Natürlich nicht! Ich möchte nur nicht, dass sie bei mir herumschnüffeln, das bringt doch sowieso nichts! Aber im Verschwenden von Steuergeldern seid ihr ja Meister. „
Der Beamte schwieg für einen Moment.
„Sie sind ganz schön negativ eingestellt. Wie eine saure Zitrone sehen Sie aus.“
„Raus!“
„Ihren Eintrag haben wir gleich“, der Beamte hielt drohend einen Stift in die Höhe.
„Raus hier“, Opa Werner wurde lauter, „oder ich hole mein altes Schrotgewehr vom Dachboden!“
„Aha, wusste ich es doch. Illegaler Waffenbesitz – womöglich haben Sie auch noch Sprengstoff und schlimmeres.“
„Ich gebe Ihnen gleich…“

Opa Werner erhob die Hand, der Beamte flüchtete in die Küche. Werner folgte und nahm sich eine Pfanne.
„Sie werden doch nicht?“
„Doch, das werde ich.“
„Nicht bevor ich diesen Kirschkuchen konfisziert habe!“
Der Staatsdiener schnappte sich die Kuchenglocke, schlug einen Haken und rannte aus dem Haus.
Opa Werner rief ihm noch einige wüste Beschimpfungen hinterher.

***

„Ist er weg?“
„Ja, Osama. Kannst rauskommen.“
„Jammerschade um den Kuchen.“

2 Antworten zu “Heimlichkeiten”

  1. jarypaulus sagte

    ja, das ist wieder was feines.
    ich würde vermutlich ein buch kaufen…^^

  2. LastGunman sagte

    Thx!

    Und herzlichen Glückwunsch an Opa Werner, endlich gibt es mal wieder Schnee zu Ostern:

    http://www.tagesschau.de/inland/winter8.html

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