LastGunmans Kurzgeschichten-Blog

Kurzgeschichten, Literatur und Medien

Von Ratten, Tempeln und intergalaktischen Kriegen

Verfasst von LastGunman am 6. Oktober, 2007


14009, 14008, 14007, ….

Das ist der schlimmste Tag in meinem Leben. Obwohl das Dasein einer krolonzalischen Rundfederratte schon deprimierend genug ist. Wir tun eigentlich nichts anderes, als an Bäumen zu hängen, das Hinterteil hin und her zu schwingen, und uns so drei Mal am Tag mit Hilfe unseres psi-magnetischen Schwanzes Früchte ins Maul zu bugsieren. Leider gibt es nur eine einzige Sorte Frucht, die darauf reagiert. Eine deprimierende Kraft. Nach diesem Tag wird man uns wohl Treppenfederratten nennen – meine Art ist verdammt.

Da es noch ein paar tausend schmerz- und qualvolle Stufen bis nach unten sind, kann ich euch ja erzählen, wie es dazu kam.

Ein lautes Geräusch erschütterte unseren Wald. Ich versuchte meinen Kopf in Richtung des Geräusches zu drehen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man sich mit den Ohren festhält und ständig herum schwingt. Als ich dann abrutschte und schließlich fein säuberlich zusammengezogen auf dem Waldboden lag, kam mir der Gedanke, dass es auch nicht sehr klug war.

“Hey, kuck mal, Doktor Öng!”, hörte ich eine Stimme, “Federviecher ohne Federn! Hast du so was schon mal gesehen?”

“Diese Spezies ist mir gänzlich unbekannt, Snodro. Ich zweifle jedoch daran, dass ihre Intelligenz ausreicht, um uns bei der Reparatur unseres Raumgleiters zu helfen. Leider hat es den DNA-Scanner schwer erwischt, so dass eine Katalogisierung unmöglich ist.”

“Mist, die hängen auch ziemlich hoch. Whow whow whow, da liegt einer auf dem Boden!”

Ich ahnte noch nicht, wie schicksalhaft diese Worte waren.

Wenig später hing ich also in einem Raumgleiter rum, der den Planeten verließ. Das schien mir zunächst sehr interessant zu sein. Ich beäugte technisches Gerät, betrachtete die Wunder des Alls durch ein kleines Bullauge, und lauschte den Gesprächen meiner beiden Gastgeber.

Sie waren auf der Suche nach etwas, dass sie Quelle der Kraft nannten - auf dem Planeten Gaia wollten sie fündig werden. Angeblich war Gaia vor tausenden von Jahren von intelligenten Wesen bewohnt, über deren Verbleib kein Weiser in der ganzen Galaxis Auskunft geben konnte. Doch in einem waren sich alle einig: Der Planet schien eine seltsame Kraft zu beherbergen, die den Eroberern – so nannte man jene, die Planet um Planet versklavten – stets einen entscheidenden Vorteil in der Schlacht lieferte.

Wir kamen endlich auf Gaia an – es war herrlich! Wenn wir nicht gerade über Wasser flogen, war die ganze Oberfläche rattengrau. Ich erblickte ein Meer aus riesigen Türmen – erbaut aus Stein, Glas und Metall, so erfuhr ich. Dann wurde es grün – Waldgegend.

Der Gleiter landete, Snodro nahm mich mit nach draußen. Vor uns lag eine gigantische, steinerne Treppe, die irgendwo im Nebel endete.

“Da sind sie: Die zwanzigtausend Stufen zum Tempel der Quelle! Wer sie mühelos ersteigt, soll die Kraft erlangen.”, sagte Doktor Öng.

“Toll, los geht’s, Fedro!”, Snodro gab mir diesen Namen.

“Nicht so hastig, mein junger Schüler. Schließlich sollen wir sie mühelos erklimmen. Wir laufen langsam und legen regelmäßig eine Pause ein, um uns mit isotonischem Wasser zu erfrischen.”

“Das natürlich ich wieder schleppen muss…”

“Solange du dieses Tier noch mit dir rum trägst, kann es ja nicht so schlimm sein.”

Als die beiden schließlich am Ziel waren, war es mir sehr seltsam zumute. Den einen Moment saß ich noch entspannt auf Snodros Schulter, im nächsten drückte sich plötzlich mein Kopfteil in die Höhe – als würden sich meine beiden Körperenden abstoßen. Mein Psi-Magnetismus schien verrückt zu spielen.

“Und jetzt, Doc?”, sagte Snodro schließlich.

“Wir müssten jetzt die Kraft erlangt haben.”

“Ich merke nichts.”

“Seltsam. Sieh doch, dein Tier zeigt ein neues Verhaltensmuster auf. Ich dachte eigentlich, das Kopfende sei genau so schwer wie das Schwanzende, so dass es diesem Tier nur hängend möglich sei, eine ausgezogene Position einzunehmen – Interessant.”

“Was?”, sagte Snodro und versuchte seinen Blick auf mich zu drehen.

“Vorsicht, es schwankt!”

Und da war es schon geschehen. Ich fiel von der Schulter auf die Treppe. Auf der Stufe zog ich mich zusammen, doch anstatt liegen zu bleiben, stießen sich meine Enden wieder ab, und mein Kopf fiel auf die nächste Stufe. Mein Unterleib kam hinterher.

So geht es jetzt nun Stufe für Stufe weiter.

13243, 13242, 13241…

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