Zumindest für die Polizei schien der Fall klar zu sein: Der bisher friedliche Musikstudent Tennessee Eisenberg bedrohte am 30.4. seinen Mitbewohner mit einem Messer, auch die eintreffenden Polizeibeamten konnten ihn nicht dazu bewegen, dieses fallen zu lassen. Das Tränengas wirkte nicht, der Schlagstockhieb ging daneben, da half anscheinend nur noch brachiale Gewalt: Mit 16 Schuss aus zwei Waffen wurde der Student getötet – nachdem er einen Polizisten in die Ecke gedrängt hatte. Für die Beamten ganz klar Notwehr…
Nun steht in diesem Artikel der Süddeutschen, dass Eisenberg dabei von sieben Kugeln in den Rücken getroffen wurde – das verdeutlicht das Bild des Tathergangs, doch haben die Polizisten dabei nicht selbst das Leben des Kollegen bedroht? Dieser steht quasi mit dem Rücken zur Wand, Eisenberg mit dem Messer vor ihm. Von hinten schossen dann also die zwei anderen Polizisten sieben Mal, Eisenberg drehte sich um (vielleicht schon eher im fallenden Zustand), und die Polizisten feuerten weitere neun Kugeln auf ihn ab – der zuvor bedrohte Polizist immer noch hinter dem Erschossenen.
Klingt komisch, ist aber so? Nun, dass Eisenberg nicht durchs Haus gerannt ist, während auf ihn geschossen wurde, davon dürfte man wohl ausgehen. Und auch, wenn diese Art Tötung sich wohl schlecht als Notwehr verkaufen lässt (Die Polizei tut es trotzdem, die beteiligten Beamten sind auch wieder im Dienst – siehe Artikel der SZ), so muss man sich doch fragen, ob diese Version überhaupt stimmen kann. Der vor dem Messer zu schützende Polizeibeamte, dem dann die Kugeln um die Ohren flogen, gibt mir jedenfalls zu denken.
Angeblich soll auch auch durch die haustür geschossen worden sein, dazu will man seitens der Polizei ebenfalls keine Angaben machen.
Dass Vertuschung im Staatsapparat nichts neues ist, dürfte ein an solchen Fällen interessierter Leser wissen. Erst vor kurzem kam folgendes zum Heilbronner Phantom heraus:
Im Fall des “Phantoms von Heilbronn”, einer wegen Mordes an einer jungen Polizistin gesuchten unbekannten Frau, habe es schon im Dezember 2008 und Anfang 2009 drei an verschiedenen Tatorten gesicherte DNA-Spuren gegeben, die mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht vom “Phantom” stammen konnten. Die Existenz dieser Spuren, schreibt der stern, habe die Polizei jedoch unter der Decke gehalten. Auf einer Pressekonferenz am 11. Februar dieses Jahres behaupteten dagegen Klaus Hiller, Chef des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg, und Landespolizeipräsident Erwin Hetger, das Netz um die angebliche Schwerverbrecherin ziehe sich immer enger zusammen.
Beim Amoklauf von Winnenden kam es ja ebenfalls zu mehreren Pannen. So die gefälschte Internet-Ankündigung, die von Heribert Rech als echt bezeichnet wurde, aber auch die falsche Täterbeschreibung, und die Vertuschung der Tatsache, dass Tim K. schon mal gestellt wurde, und jeweils eine Kugel in Sprunggelenk und Knie hatte (nicht an einem einzigen Bein), bevor er ins Autohaus stürmte und dann auf dem ominösen Handyvideo (das von unseren Medien gefälscht sein könnte, da man ja nichts von Verletzungen bemerkt) herumlief. Auch Erwin Hetger war an diesen Pannen beteiligt, inzwischen wurde er pensioniert.
RP-Online-Leser MentalFS schrieb übrigens schon damals als Kommentar zum Artikel:
Es wurde behauptet, man habe die Page auf dem Rechner des Amokläufers gefunden. Da sich jetzt herausgestellt hat, dass es diese Page nie gab, kann es nur eins bedeuten: Hier wurde ein Beweis frei aus der Kuft gegriffen und gehofft, man würde nicht weiter überprüft werden.
Das lässt mich schon nachdenklich werden. Ist das gängige Praxis? Wie oft wird der Öffentlichkeit oder einem Richter so eine Lüge aufgetischt, in der Hoffnung dass einem geglaubt wird?
So ganz kapier ich das allerdings nicht: Es gab nur ein Screenshot einer Chatseite, die dann mit Photoshop abgeändert wurde, und dieser wurde dann wieder auf der ursprünglichen Seite eingestellt? Oder gibt es den/die Jugendlichen (steht ja auch in jedem Bericht was anderes), welche der Polizei den Tipp gaben überhaupt nicht? Was man auch zu diesem Thema liest oder findet, es wird nicht schlüssiger. Zumal Staatsanwältin Claudia Krauth sehr überrascht war, da man auch ihr mitteilte, man habe die Ankündigung auf Tims Rechner gefunden. In diesem Artikel steht auch, dass inzwischen nichts mehr nachvollziehbar ist, da alles gelöscht wurde. Wow, und das stand da schon ein Tag nach der Tat…
Wer sich für das Thema interessiert, dem sei auch die Homepage von Harry Wörz nahegelegt. Hier geht um einen sehr interessanten Prozeß, in den Fall sind mehrere Polizisten verwickelt.
Jedes Verdachtsmoment, das seinerzeit die Ermittler allein auf Wörz als Täter schließen ließ, wird von der Kammer geprüft, ob es nicht auch andere Erklärungen dafür geben kann. Das Ergebnis ist, fast möchte man sagen, sensationell: Der Prozess ist noch nicht zu Ende; doch bisher spricht buchstäblich nichts dafür, dass Wörz seine Frau töten wollte.